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Zu Gespinst 3 im projektraum4, Mannheim

Ulli Böhmelmann bevorzugt für ihre Arbeit eher leichte und verletzlich anmutende Werkstoffe wie z.B. dünne Papiere, Vliese, Gips oder Silikon. Der Formenkanon ihrer Arbeiten ist von reduzierten, polymorphen Gestalten geprägt, die auf den ersten Blick Naturformen assoziieren aber letztlich höchst artifiziell sind. Scheinbar fragil und verletzlich sind ihre plastischen Körper und doch gleichzeitig von großer haptischer Anziehungskraft. Die Korrespondenz von offenen und geschlossenen Körpern, die formalen Verschränkungen von Innen und Außen und die sich daraus ergebenden Ein- und Ausblicke für den Betrachter, sind mehr als nur subtil geführte innerplastische Dialoge.

Im projektraum4 zeigt Ulli Böhmelmann eine Installation aus der Werkreihe "Gespinst", eine Raumverspannung aus dünnen Nylonfäden, die fürs Auge kaum, bzw. nur ausschnitthaft wahrnehmbar, den Ort in Höhe, Breite und Tiefe durchmisst und neu formuliert. Die Installation ist ein begehbares System sich verschränkender Wege und unerwarteter Öffnungen bei gleichzeitiger materieller Transparenz. Die Raumplastik von Ulli Böhmelmann besticht durch ihre scheinbare Abwesenheit - jedenfalls im ersten Moment und ihrer dann doch nachdrücklichen Anwesenheit ohne das Ganze auf einen Blick erfassen zu können, obwohl Kunstwerk und Betrachter in einem Raum sind. Die Installation "Gespinst" ist nicht nur eine subtile Raumbefragung und damit auch Neudefinition von Raum mit minimalistischen Mitteln - die Installation wird auch zum Medium von individueller Raumwahrnehmung. Was ist Raum und in welcher Position und damit auch Haltung zum Raum befinde ich mich als Betrachter berührt eine der ursprünglichsten Fragestellungen von plastischem Gestalten an sich. Um das zu erfahren, bedarf es beim Verweilen im "Gespinst" von Ulli Böhmelmann der Kontemplation, ein sich Einlassen auf das Scheinbar nur schwer Fassbare. Der Betrachter erfährt den Raum und sich selbst als Protagonist der Installation. Insofern ist der von Ulli Böhmelmann inszenierte Dialog mit dem Raum und dem Betrachter subversiv und lyrisch gleichermaßen.

Dr. Friedrich W. Kasten, Mannheim

 
März 2008